Besuch des KZ MAUTHAUSEN – April 2003

Das KZ Mauthausen wurde 1938 errichtet und die deportierten Häftlinge wur-den als billige Arbeitskräfte am anliegenden Granitsteinbruch eingesetzt. So erfüllte es für die SS gleich zwei Funktionen: Die Durchsetzung der eigenen politischen Ideologien, indem Gegner ihrer Herrschaft systematisch gequält und getötet wurden und enorme finanzielle Einkünfte. Wer alt, krank oder ein-fach zu geschwächt war um seine Arbeit auszuführen, war überflüssig und wurde „entsorgt“. Die Behandlung und Versorgung der Gefangenen spottete jeder Beschreibung, sie wurden von den führenden SS-Leuten nicht mehr als Menschen angesehen – SS-Leute, die im Privatleben den liebenden Familien-vater und freundlichen Nachbarn mimten und im KZ Schreckenstaten voll-brachten, die einem die Kehle zuschnüren.

Die Bilder, die wir sahen, sahen wir wohl nicht zum ersten Mal und doch gin-gen sie mir noch nie so durch Mark und Bein. Die Überreste des Konzentrati-onslagers Mauthausen lassen zwar erahnen, dass dieser Ort ein Schauplatz von unmenschlichen Greueltaten ist, aber wenn sich die Bilder und Worte, die einem während des Rundgangs geboten werden wie eine Schablone über den Ort legt an dem man sich befindet, fühlt man einen kalten Schauer in sich auf-steigen.

An und für sich ist es ja eine makabere Sache, wenn Menschen mit Bussen anreisen um in Scharen ein Konzentrationslager zu besichtigen. Aber eben nur an und für sich, denn nur so kann man das Grauen annähernd nachvoll-ziehen. Nur 60 Jahre trennen uns von diesen Geschehnissen, nur eine Gene-ration steht zwischen dieser Zeit und der „unseren“.

Und weil die Geschichte zeigt, dass sie sich selbst viel zu oft wiederholt, ist es wichtig, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Sie nicht dem Vergessen zu über-lassen…

Ausgemergelte Leiber, gebrochene Seelen, unvorstellbare Folter, verzweifelte Todesangst. Worte, die uns nicht unberührt lassen sollten und ich gehe davon aus, dass wir noch des öfteren an die Bilder denken werden, die wir sahen um derer einzugedenken, die unter Stillschweigen exekutiert wurden und um ei-nem solch fatalen Schweigen vielleicht nicht wieder zu verfallen.

Bericht von Iris Kraßnitzer – April 2003

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