Gerichtsbesuch 2004

Wer: Prof. Mag. Isabella Stromberger und 5 BHW, 5CHW
Wann: Donnerstag, 5. 2. 2004 (8.30 – 13.00)
Wo: Landesgericht Klagenfurt

Wie jedes Jahr ist es in den 5. Klassen üblich, im Rahmen des PBUR – Unterrichts einer Ge-richtsverhandlung beizuwohnen.

Doch so einfach war das nicht. Entweder ging es uns Schülern aufgrund von Schularbeiten oder Tests nicht aus, oder wurde kein passender Fall verhandelt.

Am 5. Feber 2004 passte es jedoch beiderseits.
Eine „spannende Gerichtsverhandlung“: die Anklage einer 19-Jährigen wegen Mord mit 53 Mes-serstichen an ihrem etwas älteren Freund. Sie kindlich, ja fast naiv, er verwickelt in die Skinhead-szene.
Informiert durch die Medien, konnten wir uns schon im Voraus vorstellen, warum die 19-Jährige zu solch einer Tat im Stande war:
jahrelange körperliche Misshandlung, Hinderung an der Berufsausübung und zuguterletzt beinahe eine Vergewaltigung, bevor er ihre Beziehung beenden wollte.

Als wir uns dann am Donnerstag vor dem Gericht trafen, und durch die Einlassstelle gingen, lief für uns alles wie erwartet ab. Gewohnt deshalb, weil wir bereits im PBUR – Unterricht den Ab-lauf einer Gerichtsverhandlung durchgesprochen haben:

1) Aufruf der Sache durch den zuständigen Richter
2) Überprüfung der „Generalien“ (Alter, Beruf, …) der Angeklagten
3) Vereidigung der Geschworenen
4) Vortrag der Anklageschrift durch den Staatsanwalt
5) Gegenäußerung der Verteidigung
6) Vernehmung der Angeklagen
Das Merkwürdige dabei: Kein böses Wort aus dem Mund der Angeklagten über ihren sogenannten „Peiniger“.
„Vorwürfe“ wie zB. „Haben Sie die Lehrstelle in der Apotheke Ihres Freundes wegen aufgegeben?“ abgeschwächt durch: „DAS STIMMT NICHT. DAS WAR MEIN EI-GENER WUNSCH.“
Anklagen wegen Brutalität und körperlicher Misshandlung entgegnet durch: „ICH HABE IHN GELIEBT!“
„ICH FÜHLE MICH SCHULDIG, EINEN MENSCHEN GETÖTET ZU HABEN!“
Warum sie ihn dann getötet hatte, erfuhren wir von ihr nicht.
Selbst die Mehrheit der Zeugen äußerten sich gegenüber dem Mordopfer positiv – beinahe so, als ob sie vor etwas Angst gehabt hätten …

Was uns davon noch übrig blieb, war unsere eigenen Urteilsbildung.
Kurz nach Beginn der Mittagspause verließ die Mehrheit von uns den Gerichtssaal und fuhr nach Hause, allerdings mit gemischten Gefühlen. Bis zum Abend warteten wir gespannt auf die Ur-teilsverkündung: 9 Jahre Haft.
Als wir zu Beginn der 5. Klasse erfuhren, dass wir einer Gerichtsverhandlung beiwohnen dürfen, waren wir darauf aus, einen „spannenden Prozess“ miterleben zu können – einen Mord vielleicht – doch beschäftigen wird uns dieser Fall noch lange.

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