„Gemeinsam gegen den Strom schwimmen“ – Inklusionsprojekt der Klassen 1BHW und 2AHW

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Knapp bevor sich das Schuljahr 2015/16 dem Ende neigte, konnten zwei Klassen der HLW Sankt Veit an der Glan Teil des einzigartigen Inklusionsprojekts „Gegen den Strom schwimmen“ sein. Die Klassen 1BHW und 2AHW nahmen mit großem Interesse an der Vernetzung zwischen der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe Sankt Veit an der Glan, der Wasserrettung Kärnten und des Vereins „Jauntaler Schwimmteam Gradnik“ teil. Dabei gingen die Schüler und Schülerinnen unter Anleitung von Monika Mairitsch, Leiterin der Österreichischen Wasserrettung Klopein und Trainerin des Jauntaler Schwimmvereines Gradnik, und Katharina Eichkitz, Mitglied der Wasserrettung Wernberg, sowie der Sportlehrerin Mag. Julia Büchsenmeister, gemeinsam mit drei beeinträchtigten Sportlern, die im Jahr 2014 erfolgreich an den Special Olympics teilgenommen haben, ins Wasser des Hallen- und Freibads Sankt Veit an der Glan.

Mag. Katharina Zablatnik-Rotim, Lehrerin an der HLW Sankt Veit an der Glan und Obfrau des Schwimmteams, das aus den Schwestern Marina und Romana Zablatnik und Gerald Golautschnig besteht, beschreibt das Projekt mit folgenden Worten: „Die drei Sportler möchten gemeinsam mit nicht beeinträchtigten Menschen ihre Schwimmtechnik, die konditionellen und koordinativen sowie die sozialen Fähigkeiten und Fertigkeiten aller erweitern und die Berührungsängste, die auf beiden Seiten bestehen, abbauen helfen, um damit neue An- und Einsichten ins Mensch-Sein und ein gedeihliches Miteinander zu gewährleisten. Es ist nicht wichtig, der oder die Schnellste zu sein. Wichtig ist die Vermittlung von Wille und Ausdauer, aber auch von Humor und Fairness, die nötig sind, um ein Ziel zu erreichen. Mental beeinträchtigte Menschen, wie die unseres Schwimmteams, bringen genau diese Eigenschaften mit und beeinflussen damit auch den Kampfgeist der nicht beeinträchtigten Sportler und Sportlerinnen.“

Durch die Teilnahme an dem Projekt kann es daher nicht nur zu positiven Veränderungen auf physiologischer Ebene kommen, sondern sie bringt auch Veränderungen auf weiteren drei Ebenen mit sich:
1. Psychologische Ebene: Die Schüler und Schülerinnen entwickeln ein Gefühl der Zufriedenheit, mit den positiven Erlebnissen stärken sie ihr Selbstwertgefühl und fühlen sich wertvoll.
2. Soziale Ebene: Das gemeinsame Erlebnis fördert den Zusammenhalt der Klasse, sowie die soziale Verantwortung jedes Einzelnen. Das gemeinsame Schwimmen und Interagieren dient dem Abbau von sozialen Ängsten und Vorurteilen und öffnet den Horizont.
3. Kognitive Ebene: Das Projekt hilft den Schülern und Schülerinnen ihr Wissen zu erhöhen und zu bereichern, neue Erfahrungen zu machen und Fähigkeiten zu entwickeln.

Weiters zählen diese Stunden im Schwimmbad bereits zum „Community Service“, das eine Voraussetzung für die Teilnahme der Schüler und Schülerinnen, die nach dem 3. Jahrgang ihr Pflichtpraktikum im Ausland absolvieren wollen, ist. Wer Teil des erfolgreichen EU-Projekts „Erasmus+“ sein will, muss im Vorhinein nicht nur ein Praktikum im Inland, sondern auch diesen „Dienst am Nächsten“ verrichten. Im Rahmen dieses Dienstes verbringen die 16-jährigen Schüler und Schülerinnen zehn Stunden in einer sozialen Einrichtung – wie zum Beispiel in Kindergärten, Seniorenwohnheimen oder Einrichtungen für beeinträchtigte Personen. Sowohl für die Schüler und Schülerinnen, als auch für die Einrichtungen, bedeutet dieser Dienst am Nächsten meist absolutes Neuland, was Offenheit, Toleranz und Akzeptanz auf beiden Seiten voraussetzt. Es sollen dabei erste wichtige Erfahrungen in der Arbeitswelt gemacht werden bevor die Schüler und Schülerinnen im Ausland – fernab von ihrem gewohnten Umfeld, Freunden und Familie – ihr dreimonatiges Pflichtpraktikum absolvieren.
Weiters sollen positive Referenzen gesammelt werden, um die Chancen zu erhöhen einen begehrten Praktikumsplatz in einem hochklassigen Hotel, z. B. in England, Irland, Frankreich, Italien, Island oder Malta, zu ergattern.
Das „Community Service“ bietet den Schülern und Schülerinnen auch die Möglichkeiten mit zukünftigen Arbeitgebern in Kontakt zu treten.
Unabhängig von der sozialen Einrichtung, in der die Schüler und Schülerinnen ihren Dienst leisten, sollen sie sich ihrer gesellschaftlichen und sozialen Fähigkeiten und Fertigkeiten bewusst werden und diese weiterentwickeln.

Die meisten Schüler und Schülerinnen sind im Rahmen dieses Projekts nicht nur zum ersten Mal mit beeinträchtigten Personen in Kontakt getreten, sondern haben auch die Aufgaben der Wasserrettung kennen gelernt. Durch kleine theoretische Inputs kennen die Schüler und Schülerinnen nun wichtige Baderegeln und Sicherheitsvorkehrungen im Wasser, sowie wichtige Griffe, um ertrinkende Kinder oder Erwachsene aus dem Wasser zu retten.
Neben dem bereits bestehenden 16-stündigen Erste Hilfe Kurs, der am Ende des 2. Jahrgangs besucht werden kann, wird angedacht geeigneten Schülern und Schülerinnen die Ausbildung zum Rettungsschwimmer (Helfer- und Retterschein) im Rahmen des Sportunterrichts zu ermöglichen. Somit könnten die Schüler und Schülerinnen auch für etwaige Pooldienste in dem Hotel, in dem sie ihr Pflichtpraktikum absolvieren, eingesetzt werden.

Die gemeinsame Schwimmeinheit lief auf motorischer Ebene folgendermaßen ab:
– Gemeinsames Einschwimmen (Alle im eigenen Tempo)
– 50m Wettschwimmen in beliebiger Schwimmlage (Schüler gegen beeinträchtigte Schwimmer und Schüler gegen Schüler)
– Transportgriffe zum Retten und Bergen aus dem Wasser
– Staffelspiele
– Tauchspiele
Ein paar Tage später ließ so mancher Muskelkater bei den Schülern und Schülerinnen nach, doch was länger bleiben wird, sind die Erinnerungen an diese besondere Schwimmeinheit, die alle Beteiligten zum Reflektieren über das eigene Verhalten, vorgefertigte Meinungen und Erwartungshaltungen angeregt hat. Auch wenn es Mut erfordert, ist es wichtig manchmal Neuland zu betreten, sich seine Ängsten zu stellen bzw. zu überprüfen, ob die eigenen Ängste und Sorgen überhaupt berechtigt waren. Die drei beeinträchtigten Sportler waren ein wunderbarer Spiegel für die Schüler und Schülerinnen, denn wer ihnen mit einem Lächeln und einem offenen Herz begegnete, bekam dies sofort von ihnen zurück. Nach Beendigung der zweiten Einheiten verabschiedete sich Marina Zablatnik mit den Worten: „Ihr seid super! Das müssen wir bald wieder machen.“ Genau so sehen wir das auch.

Mag. J. Büchsenmeister

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