Weinreise der Sommeliers

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Am Donnerstag, dem 24. April 2014, starteten wir, die Teilnehmer des 3. und 4. Jahrganges vom Freigegenstand „Österreichischer Jungsommelier“, um 6.30 Uhr unsere Weinreise in die verschiedenen Weinbaugebiete Österreichs.

Nach kurzer Verspätung trafen wir um 9.00 Uhr bei der Sektkellerei und Weinmanufaktur Strohmeier in St. Stefan ob Stainz in der Weststeiermark ein. Dort wurden wir von der Chefin des Hauses, Frau Christine Strohmeier, herzlich begrüßt. Sie brachte uns die Philosophie des Weingutes näher und erklärte uns die Arbeitsschritte bei der Herstellung des Schilchersektes und ihrer naturtrüben Weine. Da der Betrieb biodynamisch geführt wird, erzählte sie uns, wie sie und ihr Gatte im Weingarten arbeiten. Was uns alle sehr verblüffte, war, wie sie die Weintrauben vor Pilzbefall (wie Mehltau) schützen: Sie tränken frühmorgens, wenn es noch finster und kühl ist, die Trauben in Molke. Diese Molke erhalten sie von der BIO-Hofkäserei Deutschmann. Weiters erzählte Frau Strohmeier, wie sie die Weinreben gesund und widerstandsfähig erhalten – mit selbst gemachtem Brennnesseltee und anderen Teesorten. Ihr Weingarten wird ausschließlich händisch gemäht. Sie fahren nicht oft mit Traktoren in den Weingarten hinein, damit sie den Boden nicht zu stark verdichten und das Bodenleben aktiv bleibt, damit fördern sie die Bodenfruchtbarkeit. Die Familie Strohmeier exportiert ihre Weine zu 85 % ins Ausland, darunter auch nach Sydney oder weit in den Norden hinauf. Die Aromen ihrer Weine entfalten sich besser, wenn man die Weine früh genug öffnet und sie aus bauchigen Gläsern trinkt.
Wir durften die Vielfalt ihrer Weine und Sekte verkosten, unter anderem den Schilchersekt, naturtrübe Weine und eine süße Auslese aus der „Blauen Wildbacher Rebe“. Die Wildbacher Rebe stammt wahrscheinlich aus einer Wildrebenart und ist schon seit der Keltenzeit (um 400 v. Chr.) in diesem Gebiet heimisch. Die erste schriftliche Erwähnung erfolgte im 16. Jahrhundert. – Anschließend erhielten wir eine kurze Führung durch den Betrieb der Strohmeiers und konnten auch den Weinkeller begutachten.

Die Reise von der Weststeiermark in die Südsteiermark zum Weingut Gross am Ratscher Nussberg war relativ kurzweilig, jedoch wurde sie besonders von den Schülerinnen der vierten Jahrgänge dazu genutzt, sich für die bevorstehende Prüfung weiter vorzubereiten.
Bei der Ankunft am Nussberg waren die Mitarbeiter des Weingutes gerade dabei, mit Hilfe der gemieteten Füllanlage ca. 20.000 Flaschen Wein pro Tag zu füllen und mit Drehverschlüssen zu versehen, da das Weingut vom besseren „Handling“ und der Unbeeinflussbarkeit dieser Verschlussart gegenüber dem Produkt Wein überzeugt ist. Die Hauptrebsorten in diesem Teil der Südsteiermark sind Sauvignon Blanc, Welschriesling und Muskateller. Das Weingut Gross ist Mitbegründer und Teil der Winzervereinigung „Steirische Terroir- und Klassikweingüter“ (STK). Biologischer und nachhaltiger Anbau ist ein wichtiger Punkt, jedoch vermarktet sich das Weingut nicht unter diesem Aspekt, da der Winzer Alois Gross mit seiner Familie bei schweren Infektionen des Weingartens auf chemische Präparate zurückgreifen möchte, denn in diesem Gebiet kann bereits Tau zu einer Vollinfektion und somit zu einem Ausfall des gesamten Ernteertrags führen. Zur Verkostung gelangte die Paradesorte „Sauvignon blanc“ in allen Qualitätsstufen des Hauses Gross.

Nach einer kurzen Fahrt von Ratsch nach Gamlitz in der Südsteiermark erwartete uns schon Frau Grasmuck. Sie vermittelte uns den Weg der Rebe zum Wein. Nach einer geschichtlichen Reise unserer Winzer durch die letzten 150 Jahre und dem Schildern der Schwierigkeiten der Winzer durch den Befall der Reblaus erklärte sie uns ausführlich die Herstellung von veredelten (aufgepfropften) Rebsetzlingen für unsere Weinbauern. Jeder durfte die Maschine bedienen und selbst eine Omega-Schnitt-Veredelung durchführen, was viel Begeisterung hervorrief. Wir konnten uns ein Bild von der langwierigen, arbeitsintensiven und mit vielen Ausfällen behafteten Herstellung von Rebsetzlingen machen. Die Familie Grasmuck befasst sich nicht nur mit der Rebschule, sondern hat auch ein eigenes Weingut und Frau Grasmuck ist zertifizierte „Wein-Erlebnis-Begleiterin“, wovon wir uns überzeugen konnten.

Von Gamlitz ging unsere Reise weiter nach Rust am Neusiedler See und die lange Fahrt nutzten wir, um uns auf die burgenländischen Weinbaugebiete einzustimmen.
Rust ist eine der kleinsten Städte Österreichs mit knapp 2.000 Einwohnern. Als „Freistadt“ gilt Rust seit 1681, als sich die Stadt mit echtem Gold und dem sogenannten „flüssigen Gold“ von Kaiser Leopold I. freikaufte.
Unter „flüssigem Gold“ versteht man den „Ruster Ausbruch“, einen edelsüßen Wein mit öliger Konsistenz und der Farbe wie Bernstein.
Das Weingut Peter Schandl ist schon seit 300 Jahren im Familienbesitz und der Ruster Ausbruch gehört natürlich auch zu seinem Weinrepertoire. Der Besitzer Paul Schandl brachte uns die Geschichte von Rust näher, aber auch die Geschichte und die Philosophie seines Weinbaubetriebes.
Der Winzer Schandl war sehr bemüht, uns auf die bevorstehende Sensorikprüfung vorzubereiten – er ist auch Lektor an der Weinakademie in Rust – und ließ uns seine Weine blind verkosten und die Rebsorten bestimmen.
Allerdings hat er kleine Fallen eingebaut, beispielsweise verkosteten wir einen Weißwein, der aus Rotweintrauben hergestellt wurde. Diesen Wein nennt man in Österreich „Gleichgepresster“, die Trauben werden ohne Maischestandzeit sofort und schonend gepresst.
Paul Schandl war für jede Frage offen und freute sich sehr, dass viele unserer Schüler Weine bei ihm erworben haben.

Nach unserem Besuch beim Weingut Schandl bezogen wir unser Nachtquartier im „Storchencamp“ in der Seebadanlage in Rust. Nach dem Zimmerbezug machten wir uns frisch und nach einem kurzen Spaziergang – vorbei an der Weinakademie – kehrten wir zum Abendessen in einem Gasthof am Hauptplatz in Rust ein, wo wir den ersten Tag unserer Reise gemütlich ausklingen ließen.

Am nächsten Tag ging unsere Reise nach dem Frühstück weiter nach Oggau. Auf „Gut Oggau“ begrüßte uns Frau Stephanie Tscheppe-Eselböck in ihrem idyllischen Streckhof mit vielen Tieren (Hund, Hühnern, Tauben). Das Ehepaar kaufte das Gut Oggau 2007 und stellte es sofort auf biodynamischen Weinbau um. Sie erzählte uns viel über diese Bewirtschaftungsweise, führte uns durch ihren historischen Weinkeller mit alter Baumpresse, die auch noch benutzt wird, und lud uns dann in ihre Buschenschank zu einer zünftigen burgenländischen Jause mit Verkostung ihrer Weine ein. Ihr Ehemann Eduard Tscheppe machte mit uns eine kommentierte Weinverkostung und erklärte uns seine Weinphilosophie. Die Weine sind nicht qualitätszertifiziert, sind also alle „Landweine“. Jeder Wein hat den Namen einer Person einer fiktiven Großfamilie mit drei Generationen. Jedes Etikett ziert die Zeichnung einer bestimmten Person der Großfamilie und symbolisiert damit den eigenen Charakter dieser Person bzw. des Weins in der Flasche. Gestärkt durch Speis, Trank und Wissen fuhren wir zu unserem nächsten Winzer.

Das Weingut Johannes Trapl befindet sich im Herzen von Carnuntum, südöstlich von Wien in Stixneusiedl. Der junge und moderne Winzer mit viel Auslandserfahrung vertiefte unser Wissen auf dem Gebiet der Kellertechnik und Weinbereitung sowie des Marketings. Er führte uns durch sein neues, funktionales und hygienisch einwandfreies Presshaus mit angeschlossenem Fasskeller. Ein kleiner Ausschnitt der hier besonders gepflegten Rebsorten Grüner Veltliner, Zweigelt und Blaufränkisch bildete die Grundlage der Verkostung, darüber hinaus erzählte uns der Winzer auch viel über eine der ältesten Winzervereinigungen, nämlich „Rubin Carnuntum“.

Auf der Fahrt zu unserem letzten Winzer umrundeten wir Wien und erreichten Gumpoldskirchen. Das Kellergebäude vom Weingut Krug liegt direkt in den Weingärten am Fuße des Anningers, der höchsten Erhebung in der Thermenregion, und direkt an der Südbahnstrecke. Auf unserer Fahrt konnten wir den Trend zum nachhaltigen und biologischen Weinbau und der Weinbereitung der österreichischen Weinwirtschaft verstärkt beobachten. Im großen Gegensatz dazu präsentierte sich das Weingut Krug . Der Kellermeister machte mit uns einen kleinen Spaziergang in die angrenzenden Weingärten und erklärte uns die praktische Arbeit im Weingarten. Dieses Weingut wird konventionell geführt, das heißt, es werden auch Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel sowie Düngemittel, wenn es notwendig ist, eingesetzt. Alle vorherigen Winzer bereiteten ihre Weine mit Spontanhefe, hier wird noch Reinzuchthefe verwendet. Das Weingut ist besonders auf die autochthonen Rebsorten Zierfandler und Rotgipfler spezialisiert und exportiert sehr viel. Viele seiner Weine werden in der eigenen Buschenschank verkauft. Eine Besonderheit des Betriebes ist ein auf der Maische vergorener Rotgipfler (Weißwein) in einem drehbaren 500 lt Eichenfass (Spin Barrel Fass). Dieser Weintyp fällt unter den neuen Weinstil – Orange bzw. Natural Wine, von dem wir auch eine Kostprobe bekamen. Dieses Weingut löste bei uns sehr viele Diskussionen aus.
Nach einer langen Fahrt mit vielen Eindrücken und Vertiefung unseres Fachwissens sind wir am Abend müde aber wohlbehalten wieder in St. Veit eingetroffen.

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